Bei Kritik das Positive immer zuerst: Ich habe mir nicht viel Neues vom TV-Duell erhofft und ich wurde nicht enttäuscht.
Es war ein netter Informationsabend für jeden, der bisher noch keine Zeit beziehungsweise Lust hatte, sich mit den Themen des “Wahlkampfes” auseinander zusetzen. Die Parteiprogramme von CDU und SPD – vorgelesen von Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier. Aha, die SPD will also am Atomausstieg festhalten. Ist ja ganz was Neues. Die CDU will keine flächendeckenden Mindestlöhne. Hört, hört! Und beide wollen sie Arbeitsplätze schaffen! Wer hätte es gedacht?
Aber es hat wohl ohnehin niemand ernsthaft damit gerechnet, dass zwei, die die letzten vier Jahre in der großen Koalition zusammen gearbeitet haben (und es, wenn es blöd läuft, auch die nächsten vier Jahre tun werden) sich plötzlich gegenseitig zerfleischen.
Stattdessen betonten beide, wie tutti alles gelaufen ist in der Großen Koalition. Sicher, ohne den jeweils anderen wäre es wahrscheinlich noch besser gegangen, aber so war es auch okay! Wie drückte es Guido Westerwelle bei Anne Will aus? “Nicht wahr Frank-Walter, es war nicht alles schlecht! – Nein, da hast du Recht Angela!”
Nein, wenn überhaupt duelliert wurde, dann zwischen den Kandidaten und den Moderatoren, was sich beim Thema Opel herrlich gezeigt hat: “Es war doch super, war WIR da gemacht haben. Da könnt ihr vier sagen was ihr wollt!” Und die vier haben sich auch artig zurückhalten, wenn sie von Mutti Angela oder Papa Frank-Walter getadelt wurden. So plätscherte der Abend dann auf den dramaturgischen Höhepunkt zu, an dem beide ihre Gedichte in die Kamera aufsagten.
Aber den mangelnden Unterhaltungswert kann man letztendlich nicht den beiden Hauptdarstellern vorwerfen.
Schuld am zähen Verlauf der Sendung war vor allem das unglaublich starre Format. Immer schön im Konzept bleiben und vor allem: Auf die Zeit achten! Selbst wenn die beiden gewollt hätten – das Frage-Antwort-Korsett hätte jede Diskussion im Keim erstickt.
Und warum in aller Welt nahm man die Spitzenkandidaten der anderen Parteien nicht mit in die Runde? Dass da bei weitem mehr Feuer drin gewesen wäre konnte man im Nachgang auf Sat 1 bestaunen, als Jürgen Trittin und Guido Westerwelle eine kleine Kostprobe gaben.
Unterhaltung garantiert daher der “TV-Dreikampf” um 21 Uhr auf ARD. Das Triell zwischen Westerwelle, Lafontaine und Trittin.
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