Etwas Verrücktes ist passiert. Und damit ist nicht nur die Gewalttat von Ansbach an sich gemeint, die bestürzend ist. Nein, gemeint sind die (ersten) Reaktionen auf diese.

Nach den Amokläufen von Erfurt und Winnenden hat man (“man” sind in diesem Fall Medien, Gesellschaft und Politik) sich in erster Linie darauf beschränkt, möglichst schnell einen Sündenbock zu haben und diesen in den verteufelten Computerspielen (“Killerspielen“) gefunden. Es folgte ein Wettrennen der Verbotsforderungen der Politiker, Paradebeispiele an Aktionismus und Naivität.

Doch diesmal entwickelt sich die Diskussion möglicherweise in eine andere Richtung: “Was wurde getan?” wird gefragt statt “Was können wir tun?”. Offenbar nicht viel.

Die Landesregierungen müssen endlich ihre Hausaufgaben machen und massiv in die Schulsicherheit investieren, statt nach jedem Amoklauf mit Rufen nach schärferen Gesetzen von ihren großen Versäumnissen in der Schulpolitik abzulenken. Polizeigewerkschaftschef Rainer Wendt

Es fehlen trotz Versprechungen aus der Politik immer noch Schulpsychologen. Derzeit kommen durchschnittlich 10.000 Schüler auf einen Psychologen.

“Das kann nicht funktionieren” meint auch der Präsident des deutschen Lehrerverbandes Josef Kraus. Auch er sieht Versäumnisse aufseiten der Politiker und fordert “flächendeckende Schulungen für Klassensprecher, um sie für mögliche Probleme und Außenseiter zu sensibilisieren.” Man müsse “eine Kultur des Hinsehens etablieren.”

Vielleicht ist es diesmal mit einer Hexenjagd auf Computerspiele nicht getan. Man darf gespannt sein.

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