Ich habe heute morgen voreilig diesen Artikel unter dem Namen “Gezielte Falschdarstellung in den Medien” mit Bezug auf einen Blogeintrag von Twitgeridoo veröffentlich. Er enthielt auch dessen offenen Brief an Herr Lösche.
Ich habe diesen Artikel geschrieben, da ich Twitgeridoos Meinung teile, dass in den Medien häufig Experten zu Rate gezogen werden und somit zum Meinungsbild der Bevölkerung beitragen, deren Objektivität aufgrund ihres Hintergrundes in Frage gestellt werden kann. Diese Informationen werden dem Publikum meist vorenthalten, was die kritische Auseinandersetzung mit den Aussagen der Experten erschwert.
Im Verlaufe des Briefes geht Twitgeridoo vor allem auf Lösches Aussage zur Piratenpartei ein und wird zudem persönlich statt sachlich zu argumentieren. Da dies weder in meinem Sinn noch zielführend ist und da meine eigentliches Anliegen scheinbar nicht deutlich geworden ist, habe ich mich entschlossen, diese Erklärung bezüglich der Veröffentlichung auf unserem Blog zu schreiben.
Wer fordert, dass Medien und Personen Themen differenziert, kritisch und fair betrachten muss dies auch selbst tun. Das habe ich in diesem Fall nicht. Ich denke, auch Twitgeridoo fände andere Formulierungen wenn er den Brief ein zweites Mal schreiben würde.
Um es auf den Punkt zu bringen: Ich maße mir nicht an, Herr Lösche die Fähigkeit abzusprechen, sich eine Meinung zu bilden. Ebenso wenig wollte ich diesen Artikel als (wütende) Kritik an selbiger beziehungsweise als Retourkutsche verstanden wissen – ich teile sie zu einem gewissen Teil. Der Artikel ist auch keine wütende Stellungnahme zur aktuellen Diskussion um die Piratenpartei.
Meine Intention bestand darin aufzuzeigen, dass man sich mit Informationen – egal aus welcher Quelle – kritisch auseinander setzen und sie nicht direkt für bare Münze nehmen muss. Dazu habe ich ein schlechtes Beispiel gewählt.
Hier der ursprüngliche Artikel:
Es ist Usus, dass in Nachrichtensendungen zu Themen Experten zu Rate gezogen werden. So auch geschehen im Heute-Journal, als der Politikwissenschaftler Peter Lösche sich zur Piratenpartei äußerte. “Die Piratenpartei ist eine Ein-Punkt-Partei”, so Lösche.
Bereitwillig lässt man sich als Otto Normalbürger von diesen Lichtgestalten des Wissens blenden, ohne ihren Hintergrund und vor allem ihre Aussagen zu hintefragen. Das Lösches Blick nach über einem halben Jahrhundert SPD-Mitgliedschaft vielleicht etwas getrübt und nicht völlig objektiv sein könnte, wird Otto Normalbürger selbstverständlich vorenthalten. Mit diesem Hintergrundwissen steht die augenscheinlich objektive Betrachtung in einem etwas anderen Licht, schließlich rekrutiert sich ein nicht unerheblicher Teil der Piratenwähler aus früheren SPD-Anhängern.
Dass das Weglassen von Informationen und die daraus resultierende erschwerte kritische Auseinandersetzung in den Medien an der Tagesordnung ist, veranlasste Twitgeridoo zu einem offenen Brief an Herrn Lösche (stellvertretend für sämtliche vermeintliche Experten), den wir euch nicht vorenthalten möchten:
Sehr geehrter Herr Lösche,
Gestern lief im Heute-Journal ein Bericht, der mir an sich sehr gut gefiel, weil er relativ neutral bis positiv war. Nur der Teil, in dem sie zur Piratenpartei Stellung bezogen lässt Raum für Diskussionen.
(Siehe: http://www.youtube.com/watch?v=KxknFRcY7LA)Leider war ich nicht gerade erfreut über ihr höchst undifferenziertes Statement zur Piratenpartei.
Von ihnen als Politikwissenschaftler hätte ich etwas mehr Sachverstand und Objektivität erwartet.Sie meinten darin wortwörtlich:
„Die Piraten sind eine Einpunkt-Partei. So wichtig das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung auch ist, sie sind einfach schmalbrüstig.“Nun würde es mich interessieren, wie sie zu dieser unfairen und subjektiven Aussage kommen.
Von einer objektiven Betrachtung des Phänomens Piratenpartei kann bei dieser Wortwahl jedenfalls keine Rede sein.
Ich empfehle ihnen die Lektüre des Parteiprogramms, welches sie unter folgendem Link als PDF herunter laden können. Das Wahlprogramm der Piratenpartei umfasst definitiv mehr als nur einen Punkt:http://www.piratenpartei.de/tmp/Wahlprogramm_Bundestagswahl2009.pdf
Da ich über ihre Ausführungen sehr verwundert war, habe ich einige Informationen über sie eingeholt, was nicht schwer war, da sie ja fast schon eine berühmte Persönlichkeit sind.
Wäre ich ein Mensch, der ihnen Böses unterstellen wollte, so würde ich auf „verdächtige“ Veröffentlichungen ihrerseits verweisen, wie z.B.
- Verbände und Lobbyismus in Deutschland, Stuttgart 2006 (im Erscheinen)
- Demokratie braucht Lobbying. In: Thomas Leif/Rudolf Speth (Hrg.), Die fünfte Gewalt. Lobbyismus in Deutschland. Bonn 2006. S. 53-68
- Lobbyismus als spezifische Form der Politikberatung. In: Svenja Falk/Dieter Rehfeld/Andrea Römmele/Martin Thunert (Hrg.), Handbuch Politikberatung. Wiesbaden 2006, S. 334-342.
(Quelle: http://www.uni-goettingen.de/de/39429.html)
…in denen sie Lobbyismus offensichtlich nicht nur eher unkritisch gegenüber stehen, sondern diese undemokratische Form der Mitbestimmung auch noch als Notwendigkeit darstellen. Ganz im Gegenteil zur Position der Piratenpartei.
Gerade sie sollten doch wissen, dass die überwältigende Mehrheit der Lobbyverbände nicht im Interesse des Volkes, sondern meistens ausschließlich im Interesse der jeweiligen Branchen und/oder Unternehmen handeln und dass sie die Medien, sowie die Politik dadurch meistens in einer Weise beeinflussen, mit der die Mehrheit der Bürger nicht einverstanden ist (bzw. wäre, sofern sie von den etablierten Medien „ordentlich“ über die Ziele & Konsequenzen der so erlassenen Gesetze & Verordnungen aufgeklärt würde).Mit Genugtuung dürfte ich ihnen nun auch noch Befangenheit unterstellen, welche sich durch ihre jahrzehntelange Mitgliedschaft in der SPD (sogar über ein halbes Jahrhundert) zwangsläufig ergäbe – Aber wie gesagt, nur wenn ich ein böser Mensch wäre, der ihrem und dem Ansehen des ZDF schaden wollte und der hinter allem die große Verschwörung sieht.
(Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Lösche)Sehr geehrter Herr Lösche, ich will ehrlich zu ihnen sein:
Genau so ein Mensch bin ich. All das unterstelle ich ihnen hiermit. Ich bin nicht auf den Kopf gefallen, genauso wie viele meiner Mitbürger.
Zehn Minuten Recherche im Internet, mit Hilfe einer gängigen Suchmaschine, genügen mir schon fast, um ihrer bisher recht erfolgreichen Karriere als, angesehenen und angeblich unabhängigen Politologen, möglicherweise einen ordentlichen Dämpfer zu verpassen.
Ja, ich bin Mitglied der Piratenpartei. Ich lasse mich nicht so einfach hinters Licht führen, wie (leider) so viele meiner Mitmenschen, die sich nicht richtig informieren, sondern hinterfrage kritisch und bilde mir meine eigene Meinung, bevor ich ihren und ähnlichen Aussagen ihrer Kollegen blind Glauben schenke, nur weil sie angeblich Fachmann auf dem Gebiet der Politikwissenschaft sein sollen und für sich die Deutungshoheit beanspruchen, oder es sogar wagen einen (oft manipulativen) Blick in die Zukunft zu riskieren.Ich bin äußert verärgert! Nicht nur darüber, dass in diesem Land die „etablierten“ Medien nach der Pfeife der „etablierten“ Parteien tanzen (siehe: http://www.youtube.com/watch?v=IeLRgrZY9gc), sondern vor allem darüber, dass das Medium Internet ständig unterschätzt und als „rechtsfreier Raum“ verunglimpft wird.
Ich bin mir sicher: Das Internet ist die zukunftsweisendeste Innovation, seit der Erfindung des Rads! Dieser Erkenntnis wird sich bald auch die Politik nicht mehr entziehen können.Sie denken sicher jetzt, ich sei nur ein naiver, junger Mensch, der die inoffiziellen Spielregeln der Politik und der Medien nur noch nicht verstanden hat, der ihnen sowieso nichts anhaben kann, dessen Protest von Niemandem wahrgenommen wird, da er keine „Lobby“ und keine Kontakte zu den etablierten Medien hat.
Doch da irren sie sich gewaltig. Ich habe sehr wohl verstanden. Und was ich mit der Zeit begriff, machte mich immer zorniger.
Auch ich habe eine Lobby. Man muss dazu nur das Medium Internet verstehen und die (für sie sicherlich neuartigen) Mechanismen der Informationsverbreitung beherrschen.Zu ihrer Information: Dies ist ein offener Brief. Ich werde ihn auf meinem Blog (zu finden unter: http://twitgeridoo.wordpress.com) anonym veröffentlichen und dafür Sorgen, dass jeder mit Internetzugang ihn lesen kann, wenn ihn meine Enthüllung interessiert. Das ist investigativer Journalismus im Web 2.0. Finden sie sich damit ab und hoffen sie, dass der Aufschrei schnell wieder verstummt, damit das Ansehen ihrer Partei, der etablierten Medien und nicht zuletzt ihr eigenes nicht allzu sehr darunter leiden muss.
Ich bin davon überzeugt: Die Zeit großer Veränderungen hat begonnen! Die friedliche Revolution der denkenden Bürger ist bereits in vollem Gange, denn es brödelt und rumort schon lange im Untergrund und bald, vielleicht sogar schon nächsten Sonntag, zur Bundestagswahl am 27.9.2009, wird sie zu Tage treten. Ich werde die Piratenpartei wählen, so wie viele andere auch, da sie die einzige Partei ist, die sich nicht korrumpieren lässt, die noch weiß was Demokratie (insbesondere Basisdemokratie) und Freiheit bedeuten, die das Internet nicht nur vom Hören-Sagen kennt, für die das Grundgesetz wichtiger ist, als unzulässige Gesetze, die nur eine Pseudo-Sicherheit (und nebenbei einen Überwachungsstaat) schaffen oder sogar Missbrauchsopfer für den Wahlkampf instrumentalisiert und dabei versucht zu suggerieren dass damit etwas gegen Kinderpornografie getan würde.
Ihr Parteikollege und Kanzler-Dilettant (..habe ich gerade „Dilettant“ geschrieben? Oh ich bitte um Verzeihung. Ich meinte natürlich „Kandidat) Frank Walter Steinmeier, hat mal wieder eindrucksvoll bewiesen, dass die SPD, ebenso wie die CDU, sich überhaupt nicht ernsthalt mit unseren (wohlgemerkt: stichhaltigen) Argumenten auseinandersetzen will.
(Siehe: http://www.youtube.com/watch?v=ICM2W9qlcmQ)Ich bin empört darüber, dass das ZDF-Heute-Journal so genannte „Fachmänner“, wie sie einer sein mögen, zu Wort kommen lässt, die selbst Mitglied der SPD sind und die mit ihren Aussagen nichts weiter erreichen wollen, als der Piratenpartei zu schaden, um den Stimmenverlust der SPD möglichst gering und die PIRATEN klein zu halten. Diese Rechnung geht jedenfalls bei mir nicht auf. Ich wünsche der SPD eine noch nie dagewesene Wahlniederlage, ebenso wie der CDU und der FDP. Im Umkehrschluss wünsche ich mir eine starke Linke (wenn sie ihre SED-Vergangenheit endlich mal hinter sich lassen könnte), Grüne (aber nur wenn sie sich wieder auf ihre Grundwerte besinnen) und (träumen darf man noch!) Piraten-Fraktion als Opposition im Deutschen Bundestag, die sie und ihre Parteikollegen daran hindern kann, unser Land weiter so verkommen zu lassen, wie es bisher geschehen ist!
So leid es mir tut, sehr geehrter Herr Lösche, all dem was ich hier in einem spontanen Wutanfall geschrieben habe, können sie sich nun nicht mehr verschließen.
Das Netz vergisst nicht und jetzt ist es online, verbunden mit einem Aufruf an die Netzgemeinde diesen offenen Brief möglichst dezentral zu speichern und ihn weiter zu verbreiten, damit sie bzw. ihre Mahnanwälte dieses Schreiben nicht mehr aus dem Netz zensieren können.Mag sein, dass sie sich jetzt ungerecht behandelt fühlen, mein sehr geehrter Herr Lösche – Doch ich und ein Großteil der netzaffinen Bürger fühlt genauso!
Vielleicht benutze ich sie gerade in gewisser Weise als eine Art Druckablass-Ventil, doch ich bin der Meinung, falls dies so ist, haben sie es verdient.Ich wünsche ihnen alles Gute!
Es grüßt herzlichst,
Ihr TwitgeridooPS: Falls sie nun die Anwaltskeule schwingen wollen, wünsche ich ihnen viel Erfolg und freue mich schon jetzt auf den dann folgenden Streisand-Effekt.
(siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Streisand-Effekt)
Disclaimer: Dieser offene Brief stellt die Meinung einer einzelnen Person und keine offizielle Position der Piratenpartei dar.
Der Autor verlässt passagenweise eine ausschließliche sachlich Betrachtungsweise (worauf er auf seinem Blog auch hinweist). Nichts desto trotz ist die Grundaussage richtig und sollte jedermann dazu ermahnen, Informationen – egal aus welcher Quelle – kritisch zu hinterfragen und nicht sofort für bare Münze zu nehmen!
Tags: SPD, Wahl, Wahlergebnis, Wahlkampf
Soweit ich es verstanden habe, hat Herr Lösche die “drei Punkte der Gründungsgrünen”, die sich natürlich AUCH in zahlreiche Unterpunkte und differenzierte Forderungen unterteilen lassen, mit dem “einen Themenschwerpunkt” der Piraten verglichen. Also da “Umgang mit den Bereichen Friedenssicherung, Frauensituation, Umweltrettung” und hier “Umgang mit der DatenSelbstbestimmung” – Das man letzteres dann in differenzierte Unterpunkte teilen kann und es vielschichtiger wird als man vermuten mag, hat er nicht verleugnet. Er wurde da sehr knapp und kurz in den Beitrag reingeschnitten.
Mit ist nicht klar, warum man ihn jetzt seine ganze eigene Wut persönlich ans Hemd kotzen muß. Das ist keine virtuelle Vertreterfigur, kein Avatar Eurer Themengegner, sondern ein echter Mensch mit einer eigenen Meinung.
Ich will keine Partei wählen, die so mit den Menschen mit anderer Meinung umgeht, wie ich es hier im Netz immer wieder erlebe und in den letzten Monaten erlebt habe. Eine solche elitäre beißende haßerfüllte Arroganz ist für mich unwählbar.
Da steckt mir eindeutig zu wenig Sozial- und ja, auch zu wenig Medienkompetenz drin.
Auch wenn meine eigene Aktivität in diesem Blog sehr zu wünschen übrig lässt, finde ich nicht das Christoph hier zu weit gegangen ist. Eine Klarstellung ist da, meiner Meinung nach, nicht notwendig.
Allerdings bleibt unbestreitbar, das der Brief an Hr. Lösche, alles andere als eine objektive Meinungsäußerung ist, sondern teilweise schlicht zu weit geht. Unter dem Punkt Satire lässt sich das nicht mehr verkaufen. Es klingt eigentlich eher wie ein pubertierender Emo, dessen Lieblingsband beleidigt wurde (Achtung: Schlechter Vergleich).
Man hätte aus diesem Beitrag mit Sicherheit aber ein schönes Stück Polit-Satire machen können. Doch leider fehlt mir dazu jetzt die Muse.
[KLARSTELLUNG] Ich meine natürlich Christoph ist nicht zu weit gegangen (Ist scheinbar schon spät).
War ja erst mal irritiert, als der Beitrag zu “meinem” Kommentar (ganz unten der erste) einen Tag weg war.
Nun, bei der ersten Version übernahm Christoph den Brief schon als seine eigene Meinung. Auch wurde der Blogeintrag herum getwittert, damit schlossen sich auch andere der Meinung von Christoph, aber wohl eher noch der Meinung und dem Stil des Briefschreibers an.
Und genau darauf zielte nach wie vor meine Kommentarkritik. In dem Sinne finde ich es begrüßenswert, daß Christoph hier noch mal seine Stellung differenzierte.
Ich weiß auch, daß es Leute aus der Gemeinde gibt, viele Piraten mit oder ohne Parteibuch, die sehr wohl einen differenzierten und gemässigten Umgang mit Menschen anderer Meinung haben. Aber die breite blökende Masse ist es leider nicht und man muß sie suchen. Einige werden da endlich wach, wie man auch an den Kommentaren unterhalb des Briefes selbst sehen kann.
Ich glaube auch nicht, das der Originalautor den Brief beim zweiten mal neu schreiben würde. Denn dann müßte man fragen: was war denn an dem gesendeten Beitrag so aufregenswert “neues”, daß seine Meinungsbildung zu “andersdenken Menschen” nicht schon abgeklärt genug sein konnte, um einen anständigen nicht menschenverachtenden Leserbrief zu schreiben?