Sich mit der Arbeit von Parteien – egal welcher – auseinander zusetzen, finde ich grundsätzlich begrüßenswert. Von der rheinischen Post sollte man jedoch ein gewisses Maß an journalistischer Arbeit erwarten dürfen. Auf den momentan rasenden Diskussionszug um den Umfang der politischen Inhalte der Piratenpartei aufzuspringen ist in meinen Augen nicht ausreichend.

Im Stile eines echten Investigativjournalisten hat sich der Autor des Artikels “Piratenpartei – Politik findet nicht statt” zum Stammtisch der Piraten in Krefeld begeben um eine unglaubliche Erkenntnis zu gewinnen: An lokalen Stammtischen spielen die großen politischen Themen anscheind überhaupt keine Rolle! Das ist in der Tat unglaublich, Pulitzer-Preis-verdächtig!

Aber im Ernst: Von den Diskussionen eines Stammtisches auf die Arbeit einer ganzen Partei zu schließen wäre wahrscheinlich sogar der Bildzeitung zu platt. Grundsätzlich stehen bei Ortsverbänden von Parteien (denen ich Stammtische noch nicht einmal zwangsläufig zuordnen würde) lokale Themen im Vordergrund á la “Sollen wir die Umgehungsstraße XY wirklich bauen”. Bei einer kleinen Partei wie den Piraten steht naturgemäß die Erhöhung der eigenen Bekanntheit im Vordergrund. Vor allem wenn sie nicht im Stadtrat ist und somit wenig Einfluss selbst auf die Lokalpolitik hat – wie in Krefeld.

Es wäre wirklich ein interessanter Artikel gewesen wenn der Autor stattdessen die Arbeit der Piraten in Aachen oder Münster analysiert hätte (Städte, in denen die Piraten laut Aussage des Autors im Stadtrat vertreten sind). Aber das ist vielleicht zu journalitisch.

Ich möchte in diesem Zusammenhang noch einmal ein Beispiel aufgreifen, dass ich bereits in einem anderen Artikel bemüht habe: Zur Bundestagswahl sind unter anderem auch die Familienpartei und die Tierschutzpartei zugelassen. Diese zeichnen sich ebenfalls nicht durch ihre breitgefächerte Themenlandschaft aus, was ihnen allerdings auch (zu Recht) niemand vorwürft oder gar nutzt, um ihre Legitimation in Frage zu stellen.

Ein weiterer Punkt, der das apolitische Wesen der Piraten belegen zu scheint, ist der Fakt, dass die Personalie Jörg Tauss nicht an der Tagesordnung ist (zur Erinnerung: bei einem Stammtisch). Dies liesse sich vielleicht damit begründen, dass der Beitritt Tauss’ bereits einige Zeit zurück liegt und bis zum Beweis des Gegenteils ja auch eine Unschuldvermutung gilt. Man erlaube mir die Frage, in wie weit das Thema überhaupt politisch ist.

Also: Kritik ja, aber wenn, bitte fair.

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