Kai Diekmann, seines Zeichens Minister für Volksaufklärung und Propaganda Chefhetzer Chefredakteur der BILD-Zeitung, bloggt! Ich habe zwar leise Zweifel ob der federführenden  Mitwirkung (im wörtlichen Sinne) des genannten Herren, finde die Seite nichts desto trotz auf eine gewisse Art und Weise unterhaltsam. Die gewisse Art und Weise vermag ich im Moment noch nicht genau zu bestimmen, in Frage kommen

Ganz sicher, ohne jeden Zweifel,  trägt folgender Artikel einen nicht unerheblichen Teil zu meiner Belustigung bei: Bause sucht Streit1.

Die Geschichte: Während der allabendlichen Debatte zwischen Inka Bause, bekannt aus dem TV-Weltformat “Bauer sucht Frau”, und ihrer 13-jährigen Tochter zum Stand der Demokratie in der Bundesrepublik Deutschland thematisierten die beiden regelmäßigen BILD-Leser (ja, mir ist die Widersprüchlichkeit dieses Satzes bewusst) auch diesen Bildartikel. Die “pietätlose” Darstellung der Opfer schockierte Inka und veranlasste sie, ein pädagogisches Exempel zu statuieren – an der BILD-Zeitung. Sie legte über das Onlineformular des Presserats Beschwerde gegen die reisserische Berichterstattung der Boulevardzeitung ein.

Nach einer ersten Prüfung leitete dieser die Beschwerde folgerichtig in einem beispiellosen Akt der Indiskretion zur Ermöglichung einer Stellungnahme an die BILD weiter – unter Angabe der persönlichen Daten von Inka. Als diese von der Vorgehensweise erfuhr war sie abermals schockiert. Vielleicht auch aus blanker Angst am Ende einer richtigen Beschäftigung nachgehen zu müssen, sollte die BILD rachelüsternd eine Kampagne gegen sie starten, verfasste sie erneut einen Brief (“um einige Dinge richtig zu stellen”), diesmal jedoch an Herrn Diekmann, der diesen sogleich auf seinem Blog veröffentlichte.

Sie fühle sich instrumentalisiert, ihre Prominenz (mehr zum Thema “Selbstreflexion” hier!) für die Interessen des Presserates ausgebeutet! “Nicht, dass sie nicht dazu stehen würde”, aber sie wollte die BILD nicht über “drei Ecken denunzieren”.

Wenn ich gewollt hätte, dass die Bildzeitung, die ein Partner von mir ist und mit der ich zusammenarbeite, meine Meinung erfährt, hätte ich einen offenen Leserbrief geschrieben.

Mit anderen Worten: Sie wollte die BILD zwar verpetzten (aus rein pädagogischem Antrieb), nur halt … irgendwie anonym … wie früher eben!²

Es ist etwas schwierig, den wirren Gedanken der Argumentation von Inka zu folgen, das räumt auch Kai Diekmann ein. Sollte sich dennoch, zwar unwahrscheinlich aber ja durchaus möglich, ein Gefühl der Empörung über das Verhalten des Presserats eingestellt haben, so verschwindet dieses ganz sicher, wenn man sich kurz mit dem Sachverhalt beschäftigt (oberflächlich ist völlig ausreichend).

Ganz ausschliesslich im eigenen Interesse hat der Presserat nämlich nicht gehandelt, denn in ihrer Begründung für die Beschwerde schrieb Inka (übrigens unter pietätloser Missachtung von Groß- und Kleinschreibung und Interpunktion): “… bitte prüfen sie, ob es den gesetzen zum schutz der hinterbliebenen und opfer entspricht …”. Auch die Weiterleitung an die BILD inklusive Inkas Namen kommt nach dem Hinweis “Sofern Ihre Beschwerde nicht offensichtlich unbegründet ist, wird das betroffene Medium um eine Stellungnahme gebeten.” in Kombinantion mit “Ihre Daten werden vertraulich behandelt und mit Ausnahme der im Rahmen des Beschwerdeverfahrens benötigten Daten nicht an Dritte weitergegeben …” nicht mehr ganz überraschend. Hätte sie mal aufmerksamer hin geguckt, die Datenschutzerklärung ist erstens direkt unter dem Beschwerdeformular verlinkt und zweitens muss ihr auch noch zugestimmt werden. Spätestens jetzt wirkt ihr Brief ein bisschen … merkwürdig, oder?

Angesichts der infantilen Naivität gepaart mit grenzenloser Rückgratlosigkeit, die in dem Brief zum Ausdruck kommt, kann man eigentlich nur hoffen, dass es sich um einen fiesen Streich handelt (wie ja vielleicht auch Kaichens Blog einer ist). Falls nicht, hält sich zumindest bei mir das Mitleid in Grenzen. Schließlich verdient sie selbst Geld mit der (mehr oder weniger freiwilligen) Bloßstellung armer Irrer.

1In Würdigung der Genialität der enthaltenen Anspielung habe ich die Überschrift – lediglich mit einem Zusatz versehen – übernommen!

²Als ehemaliger DDR-Brüger darf ich Witze über die Herkunft von Inka machen.

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