Auf der einen Seite stehen die revolutionären Anarchonerds, deren ideologischer Anführer ein Mann namens Fefe ist. Sie lehnen jede Art des regelnden Eingriffs in die Wikipedia ab, da es dem Ziel der Onlineenzyklopädie zuwider laufe: Eine ultimative Sammlung des Weltwissens ungeachtet jeglicher Bedeutsamkeit. Dieses Ziel sehen sie vor allem durch die Relevanzkriterien gefährdet, die ihrer Meinung nach Sinnbild für die diktatorische Unterjochung und systematische Vertreibung des Pöbels durch das Establishment sind. Diese führten auch zur Löschung des Artikels über den Verein MOGIS, was allgemein als Auslöser für die Auseinandersetzungen gilt.
Den Anarchonerds gegenüber steht die erzkonservative “Vereinigung von Wikipediaadmins zur peinlichst genauen Anwendung der Relevanzkriterien in der deutschsprachigen Wikipedia e.V.” (VvWzpgAdRKiddW e.V.). Sie haben keinen geistigen Führer sondern bilden gemeinsam einen elitären Wächterrat, der die Einhaltung der Gebote der heiligen Schrift überwacht und durchsetzt. Die aus ihrer Sicht blasphemischen Angriffe auf diese verurteilen sie als terroristische Akte ordnungsfeindlicher Aggressoren. Ihr Ziel ist neben dem Erhalt des Status Quo die Transformation des dynamischen Charakters der Onlineenzyklopädie hin zu einem hyperbürokratischen Beamtentum. Zur Sicherung ihres Einflusses wollen sie unbestätigten Berichten zur Folge einen siebenundzwanzigstufigen Bewilligungsprozess mit anschließendem Revisionsverfahren für jeden neuangelegten Artikel etablieren. Ein weiteres probates Mittel zur Machtkonservierung ist das willkürliche Löschen bestehender, regimekritischer Artikel, was von ihren Gegnern als massiver Angriff auf die freiheitlich demokratische Grundordnung gewertet und entsprechend geächtet wird.
Mittlerweile haben sich die Anarchonerds weitestgehend von ihren ursprünglich konterrevolutionären Bestrebungen verabschiedet und suchen stattdessen den Dialog. Trotz der Bemühungen der Gegenseite sind die Hardliner der VvWzpgAdRKiddW e.V. bisher nicht zu Zugeständnissen bereit. Als Grund führen sie an, dass der propagierte gute Wille nicht ausreichend mit Quellen belegt sei. Die blogartigen Depeschen der Anarchonerds sind schon aus formalen Gesichtspunkten unzureichend und besitzen darüber hinaus – gemäß der heiligen Schrift – nicht die notwendige Relevanz, um ernstgenommen zu werden.
Aufgrund der verfahrenen Situation und der politischen Tragweite gibt es Anstrengungen zur Beilegung des Konfliktes auch von neutraler Seite. Sollten diese, unter anderem ein Treffen auf entmilitarisiertem Gebiet (im realen Leben), nicht erfolgreich sein, bleibt nach einhelliger Meinung von Experten nur noch eine letzte Instanz: Die UN-Vollversammlung.
Beobachter loben indes vor allem das durchgehend hohe Niveau der Debatten. Obwohl sich viele zeitgenössische Blogger mit der Auseinandersetzung beschäftigen ist die geschichtliche Bewertung dieses epochalen Konfliktes, der inzwischen als #Oktoberkrise oder #Wikipediakonflikt seinen Weg in die internationale Presse gefunden hat, angesichts des noch ungewissen Ausganges zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich.
Tags: Blog, Diskussion, Ironie, Satire, Wikipedia
Sehr schöne Zusammenfassung
[...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Tim Bartel und Na und?, fuechseblog erwähnt. fuechseblog sagte: Neu: Der lexikalische Dschihad http://cli.gs/HR3YX #fefe #wikipedia #Oktoberkrise #Wikipediakonflikt [...]
Man kann zu dem Thema stehen wie man will, aber Aussagen wie diese:
werden die Vorwürfe kaum verschwinden lassen. Wer ein bisschen Zeit (okay … viel Zeit) hat kann sich ja mal die Löschdiskussion zu Fefes Blog durchlesen. Ohne da jetzt zu pauschalisieren: Einige Diskussionsteilnehmer auf Adminseite (auch auf der anderen, aber die tragen ja auch keine Verantwortung bei dem Projekt) sind wirklich fern ab der Realität und verwechseln Diskussionsbeiträge mit persönlichen Angriffen oder Angriffen auf “ihre” Wikipedia!
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This post was mentioned on Twitter by fuechseblog: Neu: Der lexikalische Dschihad http://cli.gs/HR3YX #fefe #wikipedia #Oktoberkrise #Wikipediakonflikt…
[...] zu MOGIS (3) bspw aggregat7.ath.cx – 99 Prozent aller Deutschen sind irrelevant (4) leonweber.de, fuechseblog.de spreeblick.com (5) heise.de newsticker – Deutsche Wikipedia ist besser (6) Wikimedia Foundation [...]
Der Artikel, der über diesem Kommentar verlinkt ist, enthält auch einen ziemlich interessanten Ansatz. Ein duales System, also Lexikon und Wiki zugleich.
Japp, das duale System finde ich auch ziemlich gut. Wieso muss es denn radikal das eine oder das andere sein? Auf blog.opencritics.de und frank.geekheim.de gibt es echt interessante Kompromiss-Lösungen. Sollten sich Ex- und Inklusionisten mal zu Gemüte führen, anstatt so viel Staub aufzuwirbeln.
Grundsätzlich wirkt ein Gewitter ja auch immer reinigend. Allerdings geht die Debatte oftmals über das Ziel hinaus oder einfach dran vorbei. Da wird dann beleidigt oder haltlos vorgeworfen, aus der Luft gegriffen etc.
Daher ist es begrüßenswert, dass es auch Leute gibt, die ernsthafte und konkrete Lösungsvorschläge bieten. Gerade für die Wikipedia, die ja mittlerweile ein extrem wichtiges Werkzeug/Projekt ist.