“[...] sicher wissen Sie, dass am 24.05.2009 die Leiche der 67 Jahre alten Fr.Ingrid Amtenbrink in einem Kornfeld in Gütersloh aufgefunden wurde.Es liegt ein Tötungsdelikt vor.”

Ja, das weiß ich. Man liest ja Zeitung. Aber danke für den freundlichen Brief, liebe Kriminalpolizeiinspektion Erlangen! Warum mir allerdings selbst in meiner neuen Wahlheimat die zweifelhafte Ehre zuteil wird, zu einer DNS-Reihenuntersuchung der KriPo Gütersloh eingeladen zu werden, das verstehe ich nicht in Gänze.

Sicher, Sie liefern mir ein paar stichhaltige Argumente Denkanstöße:

  • “einen ganz wesentlichen Beitrag leisten, um den Kreis der möglichen Tatverdächtigen einzuengen”
  • “die Tat [...] klären”
  • “mögliche weitere Straftaten [...] verhindern”

Aber haben Sie eigentlich schon einmal über ihre eigenen Worte nachgedacht? Den Kreis der Tatverdächtigen wesentlich einengen? Mh, lassen Sie mich mal kurz überlegen. Es leben knapp 82 Mio. Menschen in Deutschland. Und im Rest der Welt sogar noch ein paar mehr…
Die Tat klären? Naja, höchstens im Falle ich wäre tatsächlich der Täter. Aber dass Sie mir dann so viel Dummheit zutrauen, an der DNS-Reihenuntersuchung der Sonderkommission “Korn” freiwillig teilzunehmen… Ich bitte Sie!
Gleiches gilt für das Verhindern weiterer Straftaten.

Erlauben Sie mir an dieser Stelle deshalb bitte ein paar allgemeine Bemerkungen zu solchen Ermittlungsmethoden:

  • Bestimmte Bevölkerungsgruppen unter Generalverdacht zu stellen ist hier, ebenso wie in anderen in diesem Blog kommentierten Fällen, meines Erachtens der falsche Ansatz.
  • Auch wenn Sie darauf hinweisen, dass mein DNS-Muster nach Untersuchung und Abgleich unverzüglich vernichtet werden würde, könnte ich dem nur Vertrauen, wenn ich jeden Schritt von Anfang bis Ende mit eigenen Augen verfolgen könnte. Unser gelobter “Sicherheitsexperte” W. Schäuble hat mich in Sachen Datenschutz doch recht gut sensibilisiert.
  • Dank einer oberschlesischen Dame und dem von ihr erbrachten Beweis, dass die Ermittler der KriPo Heilbronn sich gut an der Nase herumführen lassen, kann ich mir nicht mehr sicher sein, dass nicht auch in Gütersloh solch gut ausgebildete Staatsdiener unterwegs sind.

Abschließend möchte ich noch ein paar Kommentare zur Form Ihres Anschreibens abgeben:

  • Die Anlagenzeile mit Tipp-Ex zu streichen zeugt entweder von Nichtkenntnis der Backspace-Taste, oder, was im Zusammenhang mit folgenden Punkten eher anzunehmen ist, von einem ziemlich dumm vorgefertigten Standardformular.
  • Wenn das Standardformular Felder für den Namen der ermittelnden Sonderkommission, den Amtsgerichtsstandort, das Anordnungsdatum und den Ansprechpartners vorgibt, ja dann sollten diese auch ausgefüllt werden. Lange weiße Lücken in ihrem ansonsten schön gestalteten Brief stören nämlich das Gesamtbild!
  • Okay, so schön ist der Brief auch sonst nicht. Denn nach Punkt und Komma sollte stets ein Leerzeichen folgen. Und zwei Kommata direkt hintereinander? Soll das Deutsch sein?
  • Wenn Sie schon auf “§ 81 h StPO” verweisen könnten Sie für den normalsterblichen Pöbel wenigstens noch erklären, was dieser Paragraf im Klartext besagt.

Liebe Kriminalpolizeiinspektion, es dürfte Ihnen nun hoffentlich nicht mehr allzu schwer fallen, zum Schluss zu kommen, dass ich nicht zum Speichelproben-Termin erscheinen werde. Übrigens (auch wenn es nun keine Rolle mehr spielt) ist ein Freitag um 11 Uhr vormittags kein sonderlich toller Termin. Aber ich wundere mich ja eigentlich schon darüber, dass ich die Probe in Erlangen abgeben dürfte und nicht nach Gütersloh reisen muss. Da hat ja tatsächlich jemand mitgedacht.

UPDATE  (18.11.2009):

Was soll ich sagen? Zweite Vorladung erhalten und natürlich wieder nicht hingegangen. Eine Woche später ein Anruf von “Anonym” (mittlerweile muss jeder Spammer eine Rufnummer mitsenden, die Polizei will aber unerkannt bleiben).

Um die Geschichte kurz zu halten: Ein Herr von der KriPo Gütersloh, wohl aus dem  ”Korn”-Kreis, versucht mich zu überreden, doch noch Abstriche zu machen machen zu lassen. Meine dankende Ablehnung kann er nicht verstehen und versucht es dann auf plumpe Weise mit den Worten “Ihr Vater hat es doch auch gemacht”. Als ich ihn darauf frage, ob er auch aus dem Fenster springt, wenn sein Alter es tut, verliert er seinen roten Faden. Letztendlich bleibt ihm nur noch, mit dem Staatsanwalt und der Alibi-Frage zu drohen.

Mal sehen, wann das nächste Schreiben eintrudelt. Wird wohl etwas dauern, es gibt da ja noch 19 andere höchstverdächtige Gütersloher.

Kennt sich eigentlich jemand aus? Muss ich mein Alibi nachweisen? Dürfte nämlich ziemlich schwierig werden, vier ganze Tage aus dem Mai lückenlos zu rekonstruieren :???:

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Mutti Mutti, ich stehe unter Mordverdacht!, 9.5 out of 10 based on 2 ratings
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2 Kommentare on Mutti Mutti, ich stehe unter Mordverdacht!

  1. christoph sagt:

    Ich sachet wie es ist, mein Artikel mit der Imagekampagne war kein Spaß, sondern Tatsache :D

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  2. [...] 20. Oktober berichtete ich schon in diesem Artikel über meinen Kontakt mit der KriPo. Mittlerweile habe ich aber auch Freunde bei der [...]

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