Würde ich über jede abgedrehte Idee berichten wollen, die einem verwirrten Politikerhirn, einem übereifrigen Aktionsbündnis oder einem semifachlichen Expertenkreis entspringt – ich müsste meinen momentan noch gewinnbringenderen Job an den Nagel hängen. Daher habe ich zunächst auch den Aufruf des Aktionsbündnisses Winnenden mit Missachtung gestraft. Doch angesichts des einschlagenden Erfolgs sehe ich mich genötigt, ihn nun doch auf zu greifen. Aber lest selbst …

Das Aktionsbündnis Winnenden hat sich Gedanken gemacht …

wie man möglichst publikumswirksam auf die unsäglichen Zustände unserer kaputten Gesellschaft aufmerksam machen kann und hatte einen Einfall, der jedes Marketingunternehmen vor Neid erblassen lässt.

Bücherverbrennungen sind im 21. Jahrhundert nicht mehr en vogue, das ist auch dem Aktionsbündnis bekannt. Daher forderten sie die Bevölkerung auf, am 17. Oktober Computerspiele KILLERSPIELE in einen großen Müllcontainer in Stuttgart zu werfen. Um sicher zu stellen, dass dieser nicht gänzlich leer bleibt, nahm jeder Bücherverbrenner auch noch an einer Verlosung eines Trikots der Nationalmannschaft teil.

Der Veranstalter wertet es als “erfolgreiche Aktion, was angesichts der folgenden Bilder niemanden verwundern kann! Der Müllcontainer wirkt allerdings etwas überdimensioniert, eine Schubkarre oder eine Plastiktüte hätte den Zweck zur Not auch erfüllt.

Der überwältigende Erfolg der Aktion, die unbestätigten Berichten zur Folge eine halbe Million Menschen mobilisierte, rief auch das Fernsehen auf den Plan. Die Medienvertreter waren wie immer bemüht, die Emotionen der Teilnehmer dem Publikum unverfälscht zu vermitteln.

PS: Das Schicksal der eingeworfenen Spiele konnte ich nicht hinreichend klären. Bei Twitter wurde jedoch gemunkelt, dass es zur Finanzierung weiterer Aktionen gewinnbringend bei Ebay feilgeboten wird.

Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden: Ich hoffe das Geld das ihr mit den Spielen nachher bei ebay verdient, auch an die Hinterbliebenen geht! @legnirK

(via Netzpolitik)

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4 Kommentare on Riesenerfolg für Aktionsbündnis Winnenden?

  1. christoph sagt:

    Was ich unerwähnt gelassen habe: Die mangelnde Beteiligung liesse sich auch so interpretieren, dass die Bevölkerung doch nicht so verblödet und beeinflussbar ist wie man zuweilen annimmt. Das wäre ja sehr positiv!

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  2. Jay sagt:

    Vielleicht kann das AAW mit den geschätzten Einnahmen von 50 Euro einen Teil des Containers bezahlen :-D

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  3. Sammy sagt:

    naja. es sollten ja genau genommen nur “die spiele, welche für das militär entwickelt wurden, um die hemmschwelle zum töten abzubauen (http://video.regio-tv.de/video_id_=21556)”, abgegeben werden.
    somit kann man die aktion ja schon als erfolg betrachten, wenn die anzahl der im container befindlichen spiele (laut presse: “2 dutzend”) die anzahl der soeben genannten spiele (0) übersteigt

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  4. christoph sagt:

    Es kursieren ja Namen von Spielen, die sich in dem Container befanden und das waren (teilweise) keine, die es aus dem von dir genannten Grund gibt.

    Die Liste von Spielen, die für diese Aufgabe geschaffen wurden, ist meines Wissens ohnehin ziemlich kurz. Americans Army fällt mir da spontan ein. Das in den Container werfen könnte da aber aller höchstens ein symbolischer Akt sein, da das nur zum Download angeboten wird.

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